Chinesische Medizin und Ausflug aufs Land

Die Halbzeit ist erreicht. Jeder Tag bringt neue Eindrücke und schafft neue Erfahrungen. Das Praktikum am TCM Spital ist mehr als interessant. Immer wieder versetzt es mich in Staunen, welche Krankheiten hier in China mittels Akupunktur und Chinesischen Heilkräutern behandelt werden. Im Spital arbeiten fünf Akupunkturärzte. Jeder von ihnen hat seine bevorzugten Techniken und arbeitet nach seiner Theorie.

So gibt es einen Arzt, der vor allem bei langwierigen, mühsamen Erkrankungen, anstelle von Nadeln in die Akupunkturpunkte, Bienen stechen lässt. Dafür wird eine Biene, aus einer Glasbox, mittels einer Pinzette gegriffen und auf den Akupunkturpunkt gedrückt bis sie zu sticht. Diese Therapie hat sich besonders bei Lähmungen der Gesichtsmuskulatur, die nicht auf herkömmliche Akupunktur anspricht bewährt. Eine andere Ärztin benutzt lieber weit vom eigentlichen Geschehen liegende Punkte und wieder andere Ärzte nadeln am Liebsten direkt ins betroffene Gebiet hinein. Allen gemeinsam ist jedoch die äusserst starke Stimulation der Nadeln.

Akupunkturpunkte werden tief genadelt und heftig stimuliert. Anschliessend werden jeweils einige Punkte mittels Kabel verbunden und eine elektrische Spannung darauf gegeben. Die Nadeln bleiben mindestens 30 Minuten liegen. Danach wird geschröpft, Injektionen verpasst oder nochmals vereinzelte Punkte genadelt.

In der Kräuterheilkunde sieht es ähnlich aus. So hat ebenfalls jeder Kräuterarzt seine, je nach chinesischer, theoretischer Grundlagen, bevorzugten Rezepturen mit entsprechender auf den Patienten abgestimmten Modifikationen. Ein berühmter Arzt des Spitals beispielsweise bezieht sich sehr auf einen alten Klassiker in der Chinesischen Medizin, das Shang Han Lun (Abhandlung über Kälte verursachte Erkrankungen). Dementsprechend benutzt dieser Arzt sehr viele wärmende Rezepturen. Andere Ärzte wiederum folgen anderen Theorien und verschreiben auch andere Rezepturen. Erstaunlicherweise kommen alle zum Ziel und die Verschreibungen funktionieren. Wichtig sind sicherlich die entsprechenden, dem Patienten angepassten Abänderungen.

Die Verordnungen werden direkt in der spitaleigenen Apotheke gemischt und dem Patienten mit nach Hause gegeben. Es werden praktisch ausschliesslich getrocknete Kräuter abgegeben, die vom Patienten ausgekocht werden müssen. Bei alledem was ich hier zu sehen bekomme, werde ich immer wieder darin bestätigt, wie wichtig die richtige Diagnosestellung ist. Bei unkorrekter Diagnose stellt sich auch in China keine Besserung ein und der Fall muss nochmals überdacht werden. Die chinesischen Patienten zeigen jedoch im Gegensatz zu westlichen Patienten im grossen und ganzen etwas mehr Geduld. Es ist keine Seltenheit, dass Patienten hier, bei schweren chronischen Erkrankungen, über mehrere Jahre wöchentlich behandelt werden.

Ausflüge ins Hinterland stehen natürlich an den Wochenenden auf dem Programm. Etwa 400 km nordwestlich von Kunming liegt Dali auf einer Höhe von 1980 Metern. Das angrenzende Bergmassiv weist eine Gipfelhöhe von 4122 Metern auf. Auf der anderen Seite grenzt die ehemalige Königsstadt an einen See (Erhai See). Hier wird noch als Touristenattraktion das altertümliche Kormoranfischen ausgeübt.

In der Altstadt von Dali, die noch von einer intakten Mauer und 4 Toren umgeben ist, treffen sich Touristen aus ganz China und dem Rest der Welt. Hier reihen sich Verkaufsstände, Restaurants, Märkte und kleinere Tempel aneinander.

Das Leben pulsiert richtiggehend durch die autofreien Gassen von Dali und es macht einfach nur Freude hier zu verweilen. Falls man nach einiger Zeit China auch mal wieder Lust auf westliche Kost verspürt, wird man hier auch fündig und kann sich eine Pizza oder ein Schnitzel mit Pommes einverleiben.

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