Die letzten Tage

Jetzt nach bereits dreieinhalb Wochen Asien, haben wir uns doch schon an die etwas speziellen Gepflogenheiten der Chinesen gewöhnt. Es macht uns nicht mehr so viel aus, Chinesen zu beobachten, die mitten im Restaurant und während dem Essen auf den Boden spucken. Eine beinahe Schlägerei um einen Sitzplatz im Bus oder im Gewühl vor dem Einsteigen bringt uns auch nicht mehr aus der Ruhe und mit dem chaotischen Strassenverkehr haben wir uns auch schon beinahe angefreundet. Das Essen ist wirklich super. Egal was man hört oder auch vielleicht schon zu Gesicht bekommen hat, es schmeckt einfach gut und ist äusserst frisch. Anfänglich haben wir noch den Fehler gemacht, dass wir uns doch teilweise nach Restaurants mit westlicher Kost umgesehen haben um die Erfahrung zu machen, dass es jedes Mal in einer Enttäuschung endete. Mittlerweile haben wir keine Hemmungen mehr und essen vorwiegend traditionelle chinesische Kost.

Im TCM Spital gibt es auch täglich etwas zu lernen. Was vor allem sehr interessant ist, sind ihre speziellen Kombinationen, meist aus Extrapunkten, für die Behandlung spezifischer Erkrankungen. Zum Beispiel wird bei Problemen, die in Zusammenhang mit einer Störung unseres Zentralnervensystems stehen (wie Demenz, Hirnschlag, Entwicklungsstörungen, Lähmungen), eine Kombination von 16 Nadeln, die kranzförmig im Schädelbereich angeordnet werden angewendet. Für Probleme im Schulterblattbereich oder mit der oberen Extremität wird gerne eine Kombination verwendet, die Flügelschlagtechnik heisst. Dazu werden drei Nadeln in bestimmter Richtung um das Schulterblatt platziert. Diese Kombinationen die jeweils als eine abgeschlossene Technik gelten, sind sehr wertvoll, da sie äusserst effektiv sind und bei entsprechender Erkrankung gerne angewendet werden. Ich denke genau solche Erfahrungen sind es, die einen China Aufenthalt so wertvoll machen und einen Akupunkteur auf ein höheres Niveau bringen.

Am Wochenende hat es uns noch etwas weiter in Richtung Bergland gezogen. Unser erster Aufenthaltsort war Lijiang. Diese Stadt liegt auf 2600 Metern am Fuss des 5596 Meter hohen Jadedrachen Schneebergs. Die Altstadt wurde im Jahr 1997 von der UNESCO in die Liste der schützenswerten Kulturdenkmale aufgenommen.

Die Stadt gilt als Sammelsurium verschiedener chinesischer Minderheiten. Hier leben Naxi, Han, Bai, Yi und tibetische Minoritäten auf engem Raum zusammen. Die Altstadt ist autofrei und wird von einem Flüsschen, das in zwei Arme aufgeteilt wurde und voll mit Goldfischen angereichert ist durchquert.

Etwa 300 km entfernt liegt Shangrila. Die Reise dahin ist ein richtiges Abenteuer, da zwei hohe Pässe überquert werden müssen. Die Fahrt geht entlang des riesigen Flusses Yangtse in dem an dieser Stelle noch der sehr seltene Flussdelphin lebt. Shangrila gilt als das grösste tibetische Zentrum ausserhalb Tibets. Hier findet man tibetische, buddhistische Klöster, die überall auf Anhöhen errichteten Stupas und überall Gebetsmühlen in verschiedenster Grösse, Form und Farbe.

Sehr beeindruckend ist der typisch tibetische, farbenprächtige Baustil der Gebäude und Wohnhäuser. Shangrila liegt auf etwa 3400 Metern Höhe und liegt mitten in den Ausläufern des Himalaya. Hier fühlt man sich als Westler (und vielleicht als Schweizer im Besonderen) wirklich wohl. Die Berglandschaft erinnert an die Alpen und die tibetische Bevölkerung ist nett und aufgestellt. Es herrscht keinerlei Hektik, wenig Autoverkehr und sehr gute, saubere Luft. Ein Ort um wirklich Urlaub zu machen.

Am Ende dieses Kurzurlaubs freuen wir uns wieder richtiggehend auf die Schweiz. Es fällt uns etwas schwer in die grosse und hektische Stadt Kunming zurückzufahren. Bald ist unser China-Aufenthalt zu Ende. Es war eine extrem gute und lehrreiche Erfahrung in vielerlei Hinsicht und wird noch lange in uns nachwirken.

praxisgemeinschaft natürlich gesund© 2020 praxisgemeinschaft natürlich gesund • 4460 Gelterkinden
Impressum | Datenschutz | Kontakt